Zum Symposionsgedanken

Karl Prantl hatte ursprünglich Malerei studiert, sah aber in der Bildhauerei die Möglichkeit, sich in freier Natur mit dem Material Stein grundsätzlicher und elementarer auseinandersetzen zu können (um sich von formalen akademischen Ansätzen von Kunstschaffen zu lösen). Im Kunststudium der Nachkriegszeit orientierten sich die jungen KünstlerInnen in Österreich vornehmlich am Kubismus und Surrealismus… Die Abstraktion wurde für Karl Prantl zum Credo und bestimmte fortan sein künstlerisches Schaffen.

Im Winter 1951 entstanden in seinem Pöttschinger Atelier die ersten Skulpturen aus Stein und Holz. 1952 /53 beschäftigte sich Prantl erstmals mit der Bearbeitung von Natursteinen, die er ‚Figurationen‘ nannte. Das Material bezog er aus burgenländischen Steinbrüchen. Es folgten erste Ausstellungen dieser Skulpturen.

Karl Prantl vertrat die Ansicht, dass das Arbeiten am Stein im freien Naturraum andere, neue Dimensionen eröffne und so Skulptur zum vermittelnden Medium unter- und miteinander fungiere. Er beflügelte zunehmend kunstinteressierte Menschen, die Steinbrüche und Naturlandschaften im Burgenland wahrzunehmen.

Zum Gründungsjahr 1959

Karl Prantl konnte den Bildhauerkollegen Heinrich Deutsch und den Psychologen Friedrich Czagan zur Mitwirkung an der Umsetzung des Konzepts faszinieren. Als Steinsponsor konnte Gustav Hummel, der damalige Pächter des Steinbruchs von St. Margarethen, gewonnen werden und so wurde der Kalksandstein zum prägenden Material für die sich ausbreitende Symposionsbewegung. Die jungen europäischen Bildhauer, die durch Beteiligung an den Symposien teilweise ihre ersten Erfahrungen mit groß-skulpturaler Arbeit machten, waren begeistert. Dino Paolini aus Italien, Sepp Wyss und Peter Meister aus der Schweiz , die belgischen Bildhauer Eugène Dodeigne, Jacques Moeschal und André Willequet, Hans Verhulst aus den Niederlanden, Gerson Fehrenbach und Erich Reischke aus Deutschland, weiters der slowenische Bildhauer Janez Lenassi und aus Österreich Alfred Czerny und Erwin Thorn waren die Protagonisten des 1. Symposions. Die Mittel für Unterkunft, Verpflegung und Fahrtkosten versuchte man u.a. durch eine Bausteinaktion (geschliffener Sandstein aus St. Margarethen) aufzubringen, gleichzeitig ein künstlerisches Manifest und Kommunikations-träger für die Grundidee zum Symposion.

Das erste internationale Bildhauersymposion begann so im Sommer 1959 in St. Margarethener Steinbruch, vierzehn Künstler aus sieben Ländern schufen unter freiem Himmel ihre großen Skulpturen. Eine abschließende Ausstellung ab 19. September 1959 und ein Ausstellungskatalog besiegelte das Projekt.

Neben dem regen Austausch künstlerischer Visionen und Techniken gehörten auch literarische und musikalische Darbietungen (das Ensemble „die Reihe“, unter Friedrich Cerha führte im Steinbruch auf) zum Konzept.

Der Erfolg des ersten Symposions und die abschließende Ausstellung im Steinbruch beflügelte die Organisatoren, im kommenden Jahr ein weiteres Symposion zu veranstalten. Um die erforderlichen Fördermittel werben zu können, wurde im Herbst 1959 der Verein „Symposion Europäischer Bildhauer“ gegründet. Karl Prantl wurde Vorsitzender, Friedrich Czagan der Generalsekretär, Peter Meister Schriftführer und Jacques Moeschal zweiter Vorsitzender. 1960 fand das zweite Symposion mit elf weiteren internationalen BildhauerInnen statt.

Die KünstlerInnen aus Ost und West verfassten Manifeste, in welchen sie den ethischen und politischen Anspruch ihrer Vorstellungen und Arbeiten unterstrichen: nämlich durch grenzübergreifende Gemeinschaft ein Signal zur Völkerverständigung zu setzen. Durch den Erfahrungsaustausch mit Kollegen aus aller Welt, die später nach Prantls Vorbild auch in ihren Heimatländern ähnliche Treffen organisierten – entstand ein internationales Netzwerk von KünstlerInnen, die sich der kontextuellen, abstrakten Kunst verschrieben. Den „Eisernen Vorhang“ bekämpfte Karl Prantl von Anfang an, wie zum Beispiel an der „Berliner Mauer“, wo er 1961-62 auf dem Platz der Republik, gemeinsam mit KollegInnen, der sich im Bau befindlichen Mauer mit Skulpturen eine humane Botschaft entgegensetzte: „Wir haben probiert, die Mauer zu Fall zu bringen“.

Die internationale Symposionsidee, ausgehend von St. Margarethen, hält bis heute an und findet an Schauplätzen in China, Japan, Taiwan, USA, Brasilien und Europa regelmäßig statt.

Insgesamt wurden in St. Margarethen von mehr als 110 internationalen Künstlern über 150 Skulpturen aus dem örtlichen Kalksandstein gefertigt. In seiner Gesamtheit entstand so ein unvergleichliches kulturelles Gesamtkunstwerk. Heute befinden sich noch etwa 50 Kunstwerke am Ort ihrer Entstehung, verteilt über den südwestlichen Ausläufer des Hügels.

Die Weiterentwicklung der Bildhauersymposien in Österreich

In den sechziger Jahren des 20igsten Jahrhunderts waren die Symposien in St. Margarethen die größte private Kunstinitiative zeitgenössische Kunst in Österreich.

In Österreich gab es weitere Symposien ausgehend von St. Margarethen in Kapfenberg/Steiermark (1961); Lindabrunn/Niederösterreich (1967); Krastal/Kärnten (1967); Europapark/Klagenfurt (1968); Mauthausen/Oberösterreich; Salzburg am Untersberg (Sommerakademie); St. Johann/Osttirol; Hall/Tirol…

Das Ende in St. Margarethen kam 1978, mit dem Scheitern eines gemeinschaftlichen Projektes (ArchitektInnen und BildhauerInnen) zur Gestaltung des Wiener Stephansplatzes im Zuge des U-Bahn-Baus.

Ausbreitung der Bildhauersymposien international

1959St. Margarethen/Bgld. (A)1. internationales Bildhauersymposion (Karl Prantl)
1961Kirchheim bei Würzburg (D)internationales Symposion (Herbert Baumann, Joachim Schultze)
Portoroz/Piran (SLO)Forma Viva (Janez Lenassi)
Kostanjevica (SRB)internationales Symposion für Holz (Jakob Savinšek)
1961/62Berlin - Platz der Republik, ehemalige Kroll Oper (D)Symposion europäischer Bildhauer (Karl Prantl)
Negev (IL)Form in Space (Kosso Eloul)
1963/64Manazuro, Kanagawa, Tokio (J)(Yoshikuni Iida, Makio Yamaguchi, Mitsui)
1965Vyšné Ružbachy (SK)(Rudolf Uher, Milos Chlupac)
1968Proctor Vermont (USA)(Paul Aschenbach)