ZEHN PUNKTE

1/  VEREIN

Der Verein ‚Symposion Europäischer Bildhauer‘ ist Gründungsverein von internationalen BildhauerInnen, neue Formate und eine nachhaltige Ästhetik im Kontext des exemplarischen Ambientes im Steinbruchs und am Hügel von St. Margarethen zu generieren. 1959 von Karl Prantl - Doyen der abstrakten Bildhauerei initiiert - stellt SEB ein besonders wertvolles Manifest von Kunst im öffentlichen Naturraum dar. Nach dem Ableben des Künstlers 2010, wurden auf Anlass des Vorstands neue Satzungen und Aufgabenbereiche für transdisziplinäre, museologische und kunsttheoretische Agenden ermittelt und in die Wege geleitet. Kompetenz aus Kunst, Wissenschaft und internationalem Networking sichert und erweitert das künstlerische Erbe der Internationalen Bildhauer Symposion Bewegung seit her in mannigfaltiger Weise. Ein Konsens im Verein zwischen den im Ausland lebenden ProtagonistInnen und den Österreichischen AkteurInnen ist eindeutig zu Gunsten der neuen erweiterten Ausrichtung des Vereins gegeben. In Koordination mit der Esterhazy Stiftung als Grundeigentümer, der Kulturabteilungen des Burgenlandes und des Bundes als Subventionsgeber sollen ergänzende Rahmenbedingungen hinsichtlich einer infrastrukturellen Optimierung erarbeitet werden, um so das einzigartige Kunst- und Naturmanifest weiterhin einem breiten Publikum näher zu bringen.

2/  URHEBERSCHAFT - NACHBARSCHAFT 

SEB als Urheber des Gesamtkunstwerkes am Hügel von St. Margarethen, ist eindeutig ohne Einschränkungen festzuschreiben und in einer zukünftigen Gesamtstruktur mit den Aktivitäten in der Nachbarschaft in Übereinstimmung zu bringen. Die später hinzugekommenen Aktivitäten der Opernfestspiele sind ohne die Initialzündung der Bildhauer-Innen nicht denkbar! Im Konkreten sind kurz- und langfristige Übereinkünfte mit den verschiedenen NutznießerInnen des vielschichtigen Areals zu treffen und richten sich nach den vorgefundenen denkmal- und naturgeschützten Rahmenbedingungen.

Z.B. sind die jeweiligen Bühnenbilder der Opernfestspiele nicht Teil des über 50 Jahre entstandene Kunst- und Naturmanifests im Steinbruch und sollten den anspruchsvollen Gesamtcharakter nicht einschränken bzw. ökologisch kompatibel ausgerichtet werden. Das Ambiente eines Theaterengagements im fragilen Naturraum ist prinzipiell von einer austauschbaren Event- und Bühnenästhetik zu unterscheiden: weniger ist da oft mehr…

  

3/  SKULPTUREN

Eine Vielzahl von Skulpturen von prominenten internationalen BildhauerInnen bilden das Rückgrat des Kunst- und Naturraumes am Hügel von St. Margarethen. Die im Steinbruch zurückgebliebenen Skulpturen, welche sich in der ‚Gefahrenzone‘ der Industrie des Steinbruchs befinden, sollen auf dem Hügel mit dem derzeitigen Status Quo der Skulpturenlandschaft zusammengeführt werden. Die ‚Japanische Linie‘ an ihrer sichtbarsten Manifestation - nämlich an der Apsis des Steinbruchs neben der ,Römerwand‘ durch einen besonderen Leerraum zu schützen und hervorzuheben. Andere Standorte von Symposionsarbeiten, wie z. B. der Stein von Kosso Eloul (Israel) beim Kreuzstadl in Rechnitz soll dokumentarisch einbezogen werden. Ebenso die Skulpturen am Mitterberg bei Pöttsching (Geburtsort des Urhebers), welche jetzt entsprechend platziert - von weniger attraktiven Standorten im Lande dorthin überführt - einen endgültigen Standort haben. Gemeinsam mit dem ‚Grenzstein‘ (Ausgangsmanifest von Karl Prantl von 1958) ist hier an der ehemaligen

k. & k. Grenze Österreich/Ungarns eine sinnstiftende Kunstlandschaft entstanden. Vier weitere Skulpturen, die im Besitz des Burgenlandes an wenig attraktiven Straßenkreuzungen stehen (Herb George/USA, Milos Clupac/Tschechien, Oleg Truszynski/Polen…), sollen ebenso am Mitterberg aufgestellt werden.

 

4/ GIPFELKREUZ

Eine Herzensangelegenheit Karl Prantls war es, das große „dogmatische“ Gipfelkreuz am Hügel durch ein abstrakteres Manifest auszutauschen. Hierzu gibt es eine Vorstellung des Künstlers, nämlich die bei einer Sprengung im Steinbruch von St. Margarethen kaputt gegangene Skulptur ‚5 Anrufungen‘ von 1959 - sie steht jetzt notdürftig restauriert am ‚Feld von Pöttsching‘ - durch eine original große Kopie (aus St. Margarethener Sandstein) zu ersetzen und am Gipfel neu aufzustellen.

 

5/ EINGANG - UMFRIEDUNG - WEGEFÜHRUNG

Eine nachvollziehbare, sanfte Wegeführung von einem offiziellen Eingang über die sanierte Brücke soll den Hügel ökologisch kompatibel erschließen, sodass die Skulpturenlandschaft ergangen und entsprechend rezipiert werden kann. (Durch ein Handy-Audio-Guide können kunst- und naturgeschichtlichen Informationen interessierten BesucherInnen vermittelt werden). Dazu ist teilweise eine Umfriedung des Areals um das Bildhauerhaus und ein entsprechender Eingangsbereich zu gestalten, welcher sich vom derzeitigen offiziellen Eingang: ‚PIEDRA – Römersteinbruch‘ abheben muss.

 

6/ BILDHAUERHAUS - ARCHIV

Das Bildhauerhaus in seiner einzigartigen Ausrichtung soll seine Identität als Haus der Begegnung für künstlerische Inhalte weiter uneingeschränkt beibehalten und winterfest optimiert werden. Einerseits um das Symposionsarchiv beherbergen zu können (Schrift-, Foto-, Film- und Videomaterial aus 50 Jahren Internationaler Symposiengeschichte), andererseits um interessierten BesucherInnen die (kunst)geschichtlichen Aspekte des Ortes anspruchsvoll zu vermitteln. Neue transdisziplinäre Arbeitsfelder vor Ort mit entsprechenden Labs sollen im Bildhauerhaus neu erarbeitet werden. Aus kunsthistorischer Sicht müssen auch die über die Jahre (privat) verkauften Skulpturen von an Symposien beteiligten BildhauerInnen, archivarisch erfasst werden: wie etwa Josef Pillhofers Skulptur, die in den Storm King Sculpture Park ging, oder Joachim Fritz Schulze und Ursula Sachs Arbeiten, die in Lidice (Memorial) in Tschechien ihren endgültigen Platz gefunden haben…

 

7/ SYMPOSIEN - LABS / ARTIST- IN - RESIDENCY

Internationale Symposien und transdisziplinäre Labs sollen zu zeitrelevanten Themen aus Kunst, Wissenschaft und Forschung ganzjährig abgehalten werden, um im speziellen, naturnahen Umfeld besondere (ökologische) Denkanstöße zu generieren. Artists/scholars in residency, im Bildhauerhaus residierend, forschen vor Ort um einen Konnex zu regionalen Themen zu studieren und international auszuwerten und zu vernetzen.

 

8/ WERTSCHÄTZUNG

Die konkrete Wertschätzung der Skulpturen am Hügel von St. Margarethen in Zahlen zu schreiben ist eine profane Möglichkeit, die anhaltende Ignoranz für das künstlerische Manifest zu durchbrechen. Viele der Skulpturen von meist bereits verstorbenen Künstler-Innen sind oft Schlüsselwerke vielschichtiger internationaler Karrieren und genießen unterschiedliche Wertschätzung auf dem internationalen Kunstmarkt. Im Gesamtvolumen, Einzelskulpturen und Land-Art-Manifesten zusammengefasst, ist zum derzeitigen Zeitpunkt ein Kunstwert in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe festzuschreiben.

 

9/ KONSENS ?

Derzeit ist juristischer Dissens zwischen den verantwortlichen Partnern, der Esterhazy Stiftung als Grundeigentümer und SEB als Urheber, Pächter und Betreiber groß, da fachliche Inkompetenz einerseits und Misstrauen andererseits vorwiegen. Fachspezifisches Wissen hinsichtlich zeitgenössischer Bildhauerei und Land Art im Kontext von internationalen Kunstströmungen ist hierzulande nur lapidar vorhanden. Auch hemmt eine hauptsächlich regional ausgerichtete Kunst- und Kulturadministration seit Jahren die entsprechende museologische Aufarbeitung des Ortes. Die finanzielle Unterstützung auf Landes und Bundesebene gemeinsam beträgt gerade die Höhe eines Amateurtheaterprojektes für MaturantInnen.

 

10/ ABLENKUNG

Verantwortung als unterstützende (vermittelnde) Kraft braucht in Österreich oft erhebliche Kraftanstrengungen und Zeit. Tourismusquoten und Auslastungszahlen (die bei Opern-festspielen eventuell berechtigt sind), haben mit dem Engagement der BildhauerInnen mehrerer Generationen genauso wenig zu tun wie ein Märchenwald mit pannonischer Nostalgie im Dreivierteltakt, wo Raubbau an Natur und Umwelt durch Profitgier mannigfaltiger Player Schaden anrichtet!

 

RESUMEE

Hier wurde eine „stille Kunst“ geschaffen! Sie spricht seit vielen Jahrzehnten zu den Menschen (ohne Eintrittskarte!) Viele Nutznießer konnten bereits gute Geschäfte mit fremdem Eigentum machen, ohne je Abgaben an die Urheber und Entdecker dieses einzigartigen Ortes zu machen.

Sollte der Steinbruch nicht schon längst zum exklusiven Abbau für den St. Stephansdom in Wien reserviert sein (wie auch der Mailänder Dom seinen eigenen Steinbruch für sein zu restaurierendes „Volumen“ hat)? Wäre es nicht Grund genug, das Ambiente des Ortes zu schützen, da es in so wichtigen Bildern wie eines Herbert Boeckl oder der Maler der Romantik abgebildet ist?

Das künstlerische Vermächtnis einer Vielzahl von KünstlerInnen, die ihre besonderen, unverkennbaren Spuren mit Respekt vor der Gestalt des vorgefundenen Naturraumes für immer in diesen Berg gemeißelt haben, ist leider immer noch nicht entsprechend gewürdigt.

Unverrückbar im buchstäblichen Sinn sind der ‚Stein in Hommage an J.M. Hauer‘ von Karl Prantl, Kenjiro Azumas ‚Japanischer Garten‘ und die ‚Japanische Linie‘ von Makoto Fujiwara, Makio Yamaguchi, Tetsuzo Yamamoto, Takao Hirose, Satoru Shoji.

 

                                                                                   Sebastian Prantl - Obmann SEB 

 

Verein
Symposion Europäischer Bildhauer
Wr. Neustädterstraße 8
A-7033 Pöttsching

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